Yazd, Iran: Eine Stadt wie eine Postkarte

Yazd, Iran: Masjed-e Jahmeh-Moschee

Yazd gilt als eine der ältesten Städte im Iran, mehr als 5000 Jahre alt soll sie sein. Zwischen zwei riesigen Wüsten gelegen, stelle ich mich in Sachen Temperatur schon auf das Schlimmste ein, irgendwo war von 50 Grad die Rede. Stellt sich heraus: Alles halb so wild, außer im Sommer, denn da sind Temperaturen von 50 Grad keine Seltenheit. Jetzt im Oktober bereiten sich die Yazidier auf den Winter vor. Kein Ahnung, was das genau bedeuten soll, angeblich wird es hier scheiße-kalt. Ich kann es mir kaum vorstellen, bis es eines Abends dann doch nur 17 Grad sind und ich mich zum ersten Mal seit langem freue, meine festen Schuhe zu tragen. Mit der Freude ist am nächsten Morgen aber schnell wieder vorbei, denn dann brennt die Wüstensonne erbarmungslos auf meine schwarzen Schnürer herunter und ich mache mir im Kopf die hundertste Notiz, doch endlich mal wieder Socken zu waschen.

Auf den ersten Blick wirkt Yazd sehr pittoresk, das Flair nahezu dörflich. Verlässt man die Altstadt zeichnet sich aber ein ganz anderes Bild, da findet nämlich das ganz normale iranische Großstadtleben statt. Die hübsch verwinkelten Gassen, die Häuser aus sonnengetrockneten Lehmziegeln, die die Altstadt in ein hellbraunes Meer verwandeln, wird man hier kaum finden.

Es gibt drei Dinge, für die Yazd berühmt ist: Das ist die Masjed-e Jahmeh-Moschee mit ihren nahezu 50 Meter hohen Minaretten, das ist der Alteshkardeh (oft als zoroastrischer Feuertempel bezeichnet) und das sind die Bagdirs (auch Windtürme genannt, die altertümliche Variante moderner Klimaanlagen). Die Moschee ist durchaus hübsch anzusehen, sonst allerdings nicht weiter interessant. Gleiches gilt für den Alteshkardeh, den zoroastrischen Feuertempel: von außen hübsch und innen mehr als unspektakulär, mehr als eine lodernde Flamme gibt es hier nicht zu sehen. Sie soll jedoch schon seit 470 n. Chr. brennen. Ob das stimmt, who knows, ist aber eigentlich auch egal. Auf dem Gelände des Tempels gibt es noch zwei Ausstellungen, die sich mit der Religion des Zoroastrismus bzw. des Zarathustrismus auseinandersetzen. Beide Ausstellungen arbeiten sich leider nur halbherzig am Thema ab, was schade ist, denn es ist durchaus ein interessantes: Der Zoroastrismus war einst die Staatsreligion des Irans. Mit der Ausbreitung des Islams, wurden Zoroastrier im Iran zunehmend verfolgt, heute hat die Religion kaum mehr als 100.000 Anhänger weltweit. Davon erfährt man freilich nichts in den Ausstellungen.

Wer nach Yazd reist, der versucht in einem der traditionellen Häuser zu übernachten: Mit ihren kleinen Zimmern, den steilen Treppen, dem Folklore-Kitsch und den Bagdirs auf dem Dach, sind sie für viele Reisende eine Spielart vom Märchen von 1001 Nacht und ich frage mich zunehmend, was wir hier in dieser Stadt machen.

Beige gekleidete Rentnergruppen wälzen sich wie Wanderdünen durch die jahrtausende alte Stadt. Sie kommen aus Frankreich, Deutschland und Spanien. Kein Winkel, den sie nicht fotografieren. Dabei gibt es hier wahrlich nichts zu sehen und nichts zu erleben. Eine Stadt wie eine begehbare Postkarte.

Schlussendlich werden wir drei Tage in Yazd sein, im Grunde zwei zu viel. Ein Ausflug in die Wüste wäre noch drin gewesen, doch wir beschließen die Tage zu nutzen, um einfach mal ein bisschen zu chillen und ganz nebenbei schwöre mein 60jähriges-Ich darauf ein, sich um Gottes-Willen keine beigen Outdoorklamotten zu kaufen.

Bagdirs in der Altstadt von Yazd, Iran.
Yazd, Iran: Detailaufnahme
Yazd, Iran: Frauen im Tschador.
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