Jaisalmer: Mit einem Kamel durch die Wüste flitzen

Jaisalmer: im Fort.

Der Zug von Delhi nach Jaisalmer wird rund 16 Stunden brauchen, um die 800 Kilometer Entfernung zurückzulegen. Jaisalmer liegt im Westen der Wüste Thar, ganz in der Nähe der pakistanischen Grenze. Würden wir hier Pakistan queren, würden wir wieder in Chabahar, unserer letzten Station im Iran, rauskommen. 

Gerade einmal 70.000 Menschen leben in Jaiselmer. Zum Vergleich: In Delhi sind es irgendwas zwischen 20 und 30 Millionen, so genau weiß das niemand. Das entspricht in etwa der Bevölkerung Australiens. Jaisalmer ist ruhig, entspannt und heiß. Tagsüber klettert das Thermometer nicht selten weit über dreißig Grad, auch jetzt noch im Winter. Touristen kommen zumeist aus zwei Gründen nach Jaisalmer: wegen des Forts und einer Wüstensafari.

Das Fort thront, wie jedes andere Fort auf der Welt auch, weit oben über der Stadt. Im Gegensatz zu vielen anderen Forts, die heute unbewohnt sind, sind hier noch rund 30.000 Menschen ansässig, die – so scheint es – ausschließlich vom Tourismus leben. Teppiche, Tücher, Shirts, Schmuck, Gewürze – hier wird allerhand Krimskrams verkauft. Während sich die meisten Touristen in dieser Kitsch-Oase wohlfühlen, shoppen und Cappuccino trinken, kann ich dem ganzen wenig abgewinnen. Mir ist der ganze Hokuspokus deutlich zu touristisch und kommerzialisiert und ich bin froh, als wir das Fort wieder verlassen – unten in der Stadt ist mehr Indien. Nichtsdestotrotz: Der Ausblick vom Fort auf die Stadt ist wunderschön und wenn abends die Sonne untergeht, taucht sie die Fassaden der alten Handelsstadt in ein leuchtendes Gelb. Kein Wunder, dass Jaisalmer auch die goldene Stadt genannt wird.

Mit dem Kamel in die Wüste Thar – wir schmelzen

Highlight unserer wenigen Tage in Jaisalmer wird die Wüstensafari sein: Das ist im Übrigen nicht selbstverständlich, denn selbst die Wüste ist hier voller Touristen, selbst auf den Werbefotos der tausenden Anbieter, sieht man sie in Massen über die hohen Sanddünen stapfen. Also, informieren wir uns ein bisschen und entscheiden uns, die berühmten Sam-Sanddünen Jaisalmers zu meiden, denn was einen hier erwartet, ist lärmender Folklore-Kitsch: Das fängt bei Bauchtanz an und hört bei Trance-Musik, die blechern aus den Handyboxen der Guides schallt, auf. 

Wir haben Glück und können über unser Hostel eine Tour abseits der Touristenmassen buchen: Mit dabei sind noch die beiden indischen Touristen Raoul und Sandeep, die aus dem Süden Indiens stammen und zum ersten Mal den Norden des Landes bereisen. So wie wir, haben auch sie noch nie auf einem Kamel gesessen. Wir sind alle ein bisschen aufgeregt. Dass Kamele große Tiere sind, ist kein Geheimnis. Wie groß sie tatsächlich sind, wird einem aber auch erst so richtig bewusst, wenn sich so ein Tier holprig vom Boden schält und man selbst oben drauf sitzt.

Ausgerüstet mit einem Sack Kartoffeln, Gemüse, einem Wassertank und Futter für die Tiere, zuckeln wir schließlich eine Stunde durch die sengende Sonne der Thar. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir unser Lager. Hier werden unsere beiden Guides über dem offenen Feuer für uns kochen (es wird das zweitbeste Curry sein, dass wir während unserer Reise gegessen haben), wir trinken Chai, warten erst auf den Sonnenuntergang und schließlich auf die Nacht, denn wir wollen die Sterne – ach, was sag ich, am besten gleich die ganze Galaxie – sehen.

Am Ende erhaschen wir einen Blick auf die Milchstraße und sind alle mächtig beeindruckt. Unser Staunen wird aber nicht lange anhalten: Es ist Vollmond und schon bald zu hell, um auch nur einen Stern am Himmel zu erkennen. Schön ist es hier trotzdem: Wir trinken ein Bier, unterhalten uns, und schlafen schließen zum gleichmäßigen Wiederkäuen der Kamele, die ganz in unserer Nähe geparkt sind, ein. 

Besonders ins Herz schließen werden wir auch die beiden Guides, die uns in und auch wieder aus der Wüste begleiten: Dank Raoul und Sandeep können wir uns mit ihnen verständigen, denn beide sprechen wenig bis kein Englisch. Ebenso wie ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern führen sie ein einfaches Leben in der Wüste: Keines der Kamele können sie ihr eigen nennen, die gehören einem wohlhabendem Mann, der ihnen 30 Dollar im Monat zahlt – außer im Sommer, da ist es in der Wüste zu heiß und die Touristen bleiben fern. 30 Dollar im Monat – auch in Indien reicht das kaum zum Überleben.

Nach einer kalten Nacht in der Wüste, beginnt unser Tag zum Sonnenaufgang mit einem heißen Chai. Kaum haben wir den ausgetrunken, sitzen wir auch schon wieder auf dem Rücken der Kamele. Und damit wir nicht auf dem Rücken der Kamele schmelzen, trotten wir diesmal nicht im Schritttempo durch die Wüste, sondern traben. Im Trabtempo auf einem Kamel durch die Wüste zu flitzen, das fetzt – und ist bequemer als man denken mag.

Wüste Thar: Dem Kamel werden die Beine zusammengebunden, damit es in der Nacht nicht wegläuft.
Blick vom Fort auf Jaisalmer.
Jaisalmer, Wüste Thar: Wüstenguide sattelt die Kamele ab.
Wüste Thar: Das lächelnde Kamel.
Szene im Fort von Jaisalmer.
Wüste Thar: Das lachende Kamel.
Käfer in der Wüste Thar.
Palast im Fort von Jaisalmer.
Jaisalmer, Wüste Thar: Junger Wüsten-Guide
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