Isfahan, Iran: Prunk is not dead

Isfahan: Palast Kakh-e Ali-Qapu

Kaum eine andere Stadt im Iran wird derart oft bereist wie Isfahan, auch Einheimische zieht sie in Scharen an. Isfahan ist im Zentraliran gelegen, die drittgrößte Stadt des Landes und insbesondere für ihren zentralen Platz inmitten der Altstadt, den Naqsh-e-Jahan-Platz, bekannt. Er ist einer der drittgrößten öffentlichen Plätze der Welt und zählt, soweit das mein kleines Spatzenhirn beurteilen kann, zurecht zum UNESCO-Welterbe, denn eines wird schon beim ersten betreten des Naqsh-e-Jahan klar: Prunk is not dead!

Zum einen steht hier die Masjed-e Shah. Die Moschee thront am Ende des mehr als 500 Meter langen Platzes und gilt als die prächtigste des Landes. Von außen ist sie mehr als eindrucksvoll, so soll es auch im Inneren sein. Nun ist aber so, dass wir sowohl in Teheran, als auch in Qom und Tabriz die ein oder andere Moschee gesehen haben und ich glaube, dass mir der Unterschied zwischen einer „prächtigen Moschee“ und einer „sehr prächtigen Moschee“ kaum auffallen wird. Mag sein, dass es mein 50-jähriges Ich bereuen wird, nicht drin gewesen zu sein, mein 35-jähriges Ich kommt damit jedenfalls wunderbar klar. Gleiches gilt für den Kakh-e Ali Qapu-Palast, ebenfalls am Naqsh-e-Jahan-Platz erbaut, wunderschön, nie drin gewesen. Auch am Platz gelegen ist einer der Eingänge zum riesigen Basar. Da sind wir einmal durchgebummelt, hat dann aber auch wieder gereicht, man gewöhnt sich schnell an die Schönheit eines Landes.

Nichtsdestotrotz lässt sich am Naqsh-e-Jahan einiges erleben: „Hey, how are you? Where are you from?“

„Germany. Alman.“

„I have pictures with Jan-Joseph Liefers, Gerhard Schröder, Sigmar Gabriel…“

Und es ist wahr: Der Mann, dem wir begegnen, ist eine kleine Berühmtheit, auch wenn er darauf besteht, dass dem nicht so ist. Der norwegische Außenminister, die thailändische Regierung, der der Herr Dumont des Dumont-Verlages uns so weiter und so fort, alle waren sie da.

Gerhard Schröder hat übrigens bei seinem Besuch eine sehr gute Figur gemacht, Sigmar Gabriel eher weniger, den mag er nicht so. Behrooz schaut bereits jetzt auf ein bewegtes Leben zurück: Von seinem Vater hat er den familieneigenen Teppichladen übernommen, dem einst der Großvater zu einiger Berühmtheit verhalf. Darüber hinaus ist er ein gefragter Restaurator, kann sowohl die blauen Mosaike der iranischen Prachtbauten restaurieren, als auch Teppiche, als auch europäische Prachtbauten. In Freiburg, der deutschen Partnerstadt Isfahans, hat er auch irgendwas irgendwo restauriert. Da habe ich schon nicht mehr so genau zugehört, was ich aber verstanden habe: Weil er so gut ist, in dem, was er tut, ließen sich die Mächtigen und Einflussreichen unterschiedlichster Herren Länder mit ihm ablichten. Man kommt nicht umhin, Behrooz als einen privilegierten Iraner zu bezeichnen, denn ein Visum für Deutschland oder andere europäische Staaten erhält er im Handumdrehen. Er sagt: Das erste Visum ist das schwerste. Wer ein Visum für Deutschland erhalten hat und nach Ablauf wieder in den Iran zurückgekehrt ist, bei dem scheinen die deutschen Behörden auch zukünftig darauf zu vertrauen, dass das so bleibt. Das ist allerdings nur das, was er sagt. Von anderen Iranern habe ich aber auch schon ganz andere Geschichten gehört. Die waren deutlich weniger seicht.

Isfahan: Palast Kakh-e Ali-Qapu
Isfahan: Naqsh-e Jahan-Platz
Isfahan: Restaurator Behrooz und S
Isfahan: Sigmar Gabriel zu Gast
Isfahan: Teppichworkshop Behrooz
Isfahan: Teepause mit Karamellzucker
Isfahan: Si-o-Seh-Pol
Isfahan: Naturkundemuseum
Isfahan: Basar, Detailaufnahme
Isfahan: Bagh-e Chehel Sotun
Isfahan: Bagh-e Chehel Sotun, Detailaufnahme
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Morgens um vier in Isfahan

An einem anderen Tag schälen wir uns bereits morgens um vier aus dem Bett. Wir wollen wieder zum Naqsh-e-Jahan-Platz zum Sonnenaufgang, unter Fotografen auch die blaue Stunde genannt. Der Sonnenaufgang war am Ende deutlich unspektakulär, denn eigentlich ist es nur hell und dann heiß geworden. Gelohnt hat sich das zeitige Aufstehen dennoch: Pünktlich um 5:00 Uhr sind wir da, nur ein Chinese war noch schneller, der sich mit Spiegelreflex und Drohne bewaffnet, den besten Platz vor der Moschee gesichert hat. In China ist übrigens gerade „golden week“, die einzige Woche Urlaub im Jahr, zu unserer Überraschung, verbringt den so manch ein Chinese im Iran. Und während wir noch so hin und her überlegen, wo wir unsere übermüdeten Kadaver nun positionieren, betritt eine Gruppe iranischer Männer, alle zwischen 40 und 900 Jahren alt, die Bühne: Aus einer kleinen Box dröhnt iranische Trance-Musik. Morgengymnastik. Es dauert nicht lange und S wird eingeladen, mitzumachen. Keine Sportkleidung dabei zu haben, gilt im Iran übrigens nicht als Ausrede, so mancher einer zieht das Sportprogramm im Anzug durch, denn Prunk is not dead.

Kommentare (6)

  1. Hallo Theresa, schön, dich zu sehen; schön dich an orten zu sehen, die ich bis heute in meinem Herzen haben. Weiterhin eine gute Reise. Wird die euch auch nach Yazd führen?
    Seid behütet, auf bals!

    • Liebe Katharina, schön von dir zu hören: Wir sind tatsächlich vor zwei Stunden in Yazd angekommen. Bisher habe ich von der Stadt noch.Bisher habe ich von der Stadt noch nicht viel gesehen. Ich bin gespannt! Ich hoffe, du hast es gut. Alles Liebe und auf bald!

  2. Liebe Theresa, das klingt, als ab die Reise bisher genau so verlaufen wäre, wie du sie dir vorgestellt und gewünscht hast. Ich freue mich für dich. Alles Liebe.

  3. Ganz toll geschrieben und geknipst, wie auch in den vorherigen Berichten! Freu mich über jedes Update von euch beiden! Weiterhin gute Reise und flinke Feder! 💚

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