Ein Paket von Indien nach Deutschland schicken

Ein Paket von Indien nach Deutschland senden.

Alles, aber absolut alles, wird in Indien zu einer tagesfüllenden Herausforderung, so auch, wenn mein ein Paket von Indien nach Deutschland schicken möchte. Dabei sind wir bestens vorbereitet: Ich habe online ein bisschen recherchiert: DHL ist absurd teuer – und wenn ich absurd sage, meine ich 120 Euro für ein Paket. Eine gute und preiswerte Alternative ist die India Post. Jede größere indische Stadt hat ein Post-Office, in dem man Pakete aufgeben kann. Meist ist das wirklich genau eines, alle anderen sind ausschließlich für Postkarten und Briefe da, bei anderen wiederum steht zwar draußen Post drauf, ist aber Betrug drin.

Wie dem auch sei, wir versuchen unser Glück in Jodhpur: Die Adresse der offiziellen Poststelle ist schnell herausgefunden. Sie öffnet 9:00 Uhr und, so sagt man uns, wir sollen auf alle Fälle richtig zeitig da sein, wollen wir hier nicht stundenlang anstehen. Ja gut, wie lange kann das schon dauern, selbst wenn man ein bisschen später kommt, denkt man sich jetzt vielleicht. Aus Erfahrung kann ich sagen: Für immer! Die indische Post ist das Tor zur Hölle.

Wie gesagt: Eigentlich sind wir gut vorbereitet. Wir wissen, im Postamt gibt es weder Verpackungsmaterial, noch andere nützliche Dinge, die man zum Versenden eines Paketes von Indien nach Deutschland braucht. Gerade sitzen wir also noch gemütlich mit Bophal in seinem Wohnzimmer, schleichen wir im anderen Moment nachts über den Sadar Market in Jodhpur auf der Suche nach einem Karton und Klebeband. Den Karton finden wir als wir mal wieder vor einem kleinen Laden im Dreck sitzen, irgendwas Frittiertes essen und da steht er auf einmal. Als wir gehen, fragen wir den Ladenbesitzer höflich, ob wir den Karton haben können. Er schaut ungläubig, denn das Ding ist echt widerlich. Innen kleben irgendwelche Chips dran und auch draußen ist er voller Moder. Aber er ist stabil. Besser geht’s nicht!

Hallo Mama, wenn Du das hier liest, eine Anmerkung: 

Wie Du Dir vielleicht schon denken kannst, schicken wir das Paket aus Indien zu Dir nach Deutschland. Hol den Kram einfach schnell raus, schau dir den Karton nicht weiter an und wirf ihn weg. Ich halte mir jetzt schon vor lachen den Bauch, wenn ich an Dein Gesicht denke, wenn Du das vermoderte Ding auspackst… chrchrchr 😀 Vergiss nicht: Ich hab dich lieb!

Ein Paket von Indien nach Deutschland schicken: Auch die beste Vorbereitung reicht nicht

Ein Paket von Indien nach Deutschland senden.

Nun müssen wir nur noch Tape besorgen. Es ist schon spät, aber mit dem Moder-Karton unterm Arm können wir anschaulich auf dem Markt erklären, was wir brauchen. Ein freundlicher Gemüsehändler verkauft uns sein Tape für einen stolzen indischen Preis, umrechnet in Euro sind das aber nur Peanuts. Das war überraschend unkompliziert, denken wir. 

Als wir nachts im Hotel zurück sind, packen wir alles ein, was wir verschicken wollen – selbstredend, vergesse ich das eine oder andere, zum Beispiel den selbst gestrickten Wollschal, den mir meine iranische Freundin Reyhane zum Abschied geschenkt hat. Bei über 30 Grad brauche ich den eigentlich gerade nicht unbedingt… aber nun gut. Also packen wir das Paket, verkleben und beschriften alles. 

Siegessicher stehen wir morgens zu einer unchristlichen Zeit auf, sind schon eine Stunde vor der Öffnungszeit am Postamt, nun kann nichts mehr schief, denken wir – irgendwo lacht sich gerade ein indischer Postbeamter ins Fäustchen.

Wir vertreiben uns die Zeit, trinken zwei bis drei Chai. Als das Postamt öffnet, strömen wir mit den anderen zehn Wartenden hinein. Es gibt nur einen Schalter, an dem Pakete versendet werden können. Das will aber außer uns niemand. Der Schalter gehört uns ganz allein – das aber nun für nahezu zwei Stunden. Was in dem Paket sei: Kameraobjektive und anderer Kleinkram, sagen wir. „Oh, not possible!“, sagt die junge Frau hinter dem Schalter. „Not possible?“ „Oh no, not possible! No. No.“, wiederholt sie. Stellt sich heraus, dass man von Indien aus irgendeinem Grund keine Kameras nach Deutschland schicken darf. Umständlich erklären wir, dass das nur Objektive sind und keine Kameras. „Okay, possible.“, sagt sie schließlich. „Dann jetzt nur noch die Adresse drauf schreiben.“ Aber die steht doch schon da, sage ich. Nein, nein, eine indische Absenderadresse. Gut, dann schreibe ich also die Adresse vom Hotel drauf. In meinem Beutel finde ich auch noch ein Stück Papier, nur das Tape habe ich nicht dabei. Schöne Scheiße, doch zu meiner Überraschung ist das kein Problem, sie gibt mir durchsichtiges Klebeband. Hammer!

Ein Paket von Indien nach Deutschland senden: Der Albtraum beginnt

„Fill this out!“, sagt sie und reicht mir drei Formulare rüber: Hier soll ich nochmal Empfänger- und Absenderadresse eintragen, alles, jeden einzelnen Gegenstand im Paket auflisten, inklusive der Angabe, wie schwer jeder einzelner Gegenstand ist und wieviel er wert ist. FÜR JEDEN EINZELNEN GEGENSTAND – INKLUSIVE GEWICHTSANGABE! Okay, aber warum sind das drei Formulare? „Copy“, sagt sie. Also werde ich nachdem ich ein Formular ausgefüllt habe, noch zwei weitere Formulare mit exakt den gleichen Angaben bestücken. Einen Kopierer gibt es hier nicht. Wozu auch? In Indien hat man Zeit. Und während ich mir die Finger wund schreibe, stellt sich heraus, dass wir das Paket so wie es ist, nicht von Indien nach Deutschland schicken können. Das ganze Paket muss verklebt werden, bis man davon nichts mehr sieht. Eigentlich sollte es komplett in weißen Stoff eingenäht sein, aber so ginge es auch. Kein Problem, sagen wir, können wir bitte nochmal das Tape haben? „Oh no, not possible.“, sagt sie. Es muss braunes Tape sein, sie hat nur das durchsichtige. Aber ich habe das Braune nicht dabei, sage ich. Sie zuckt nur mit den Schultern. 

Der Tag schreitet so voran, wir haben noch nicht gefrühstückt und während ich das ganz gut abkann, wird S immer grummliger. Mit leerem Magen sind für ihn so manche Sachen drei Mal anstrengender als sonst und jetzt soll er auch noch mit dem Tuk-Tuk zurück ins Hotel fahren und das gottverdammte braune Tape holen. Glücklicherweise trifft er draußen auf einen sehr freundlichen und hilfsbereiten Tuk-Tuk-Fahrer, der ihn für einen angemessenen Preis schnell hin und wieder zurück fahren wird. Verschwitzt und verhältnismäßig gut gelaunt kommt S zurück, als ich endlich die letzte Zeile des dritten Formulars ausfülle… jetzt nur noch das braune Tape drumherum und ab geht’s…

Als wir den Schalter verlassen, entschuldige ich mich bei den anderen Wartenden, die sich in der Zwischenzeit hinter und neben mir versammelt haben. Ein älterer Herr zuckt nur gelassen mit den Schultern und sagt: „Don’t be sorry. Takes time, you know.“

Kommentare (2)

  1. Ich möchte, auch wenn ich’s gelesen habe, das alles nochmal mit der Interpretation des schönsten indischen Akzent aus erster Hand von dir erfahren, Theresa Herz <3
    Be save & travel well sweeties!

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