Sri Lanka Highlights: Jaffna und der Norden

Point Pedro: am Strand im Norden Sri Lankas

„Safe your time and money! There´s nothing to see.“ Hilary war unsere erste Gastgeberin in Sri Lanka. Sie lebt seit 20 Jahren auf der Insel, ist gebürtige Britin, mit einem Sri Lanken verheiratet und kann nicht verstehen, warum es uns in den Norden des Inselstaates zieht. „Na, weil´s nicht touristisch ist. Keine All-inclusive-Hotelbunker. Das echte Sri Lanka eben!„, antworten wir.

Hilary kräuselt die Lippen und macht eine abwehrende Handbewegung.

Wir glauben ihr und ändern unsere Pläne: Anstatt von Bentota, unserer ersten Station auf Sri Lanka, weiter gen Norden zu reisen, zieht es uns nun in den Süden. Und am Ende, sind wir doch noch in den Norden gefahren. Ganz einfach, weil Hilary 60 Jahre alt ist, weil sie am liebsten Blüten fotografiert, weil sie Busfahren in Sri Lanka für todesmutig hält – irgendwann schwante uns, dass Hilary vielleicht einfach ganz andere Ansprüche ans Reisen hat als wir.

Also sind wir schließlich von Anuradhapura mit dem Express-Zug nach Jaffna gefahren – und das ging für sri lankische Verhältnisse ungewöhnlich schnell. Am Bahnhof in Jaffna angekommen, haben wir uns auf die Suche nach dem Busbahnhof gemacht und schließlich gleich den nächsten Bus nach Point Pedro genommen, den nördlichsten Punkt des Landes. Und dann die Erkenntnis: Hilary hatte Recht. Es gibt hier nichts zu sehen – und das ist großartig, denn so wahr es ist, so falsch ist es auch.

Es stimmt schon, Sehenswürdigkeiten wie den Zahntempel in Kandy, Sigiriya oder eine riesige Buddha-Statue wie am Tempel von Dabulla, hat der Norden Sri Lankas nicht zu bieten, aber deshalb ist es hier nicht minder spannend.

Der Norden Sri Lankas — eine gebeutelte Region

Unsere Gastfamilie in Point Pedro ist – wie so oft – herzerwärmend gastfreundlich, spricht jedoch kein Wort Englisch. Das ist ungewöhnlich und hier am nördlichsten Zipfel des Landes doch ganz normal, denn der Tourismus hat sich bis hierher noch nicht vorgearbeitet. Viele Jahre lang war der Alltag im Norden Sri Lankas vom Bürgerkrieg geprägt. Er wurde blutig von Regierungstruppen niedergeschlagen. Hier von einem Massaker zu sprechen, ist nicht übertrieben.

Als der Krieg vorbei war, kam der Tsunami, der vor allem im Norden und Osten des Landes ganze Landstriche verwüstete – und viele Menschen das Leben kostete.

Offizielle Zahlen gehen von 30.000 bis 40.000 Todesopfern in Sri Lanka aus. Nur in Indonesien waren es noch mehr. Die Spuren dieser Zeiten kann man noch immer sehen: Während die Bauruinen an der Küste von der Naturkatastrophe im Jahr 2004 zeugen, ist es die beständige und massive Militärpräsenz, die auch uns klar macht, dass es wohl noch eine Weile dauern wird, bis der Norden keine Sonderstellung mehr hat.

Strand von Point Pedro

Anders als der Rest des Landes, wird der Norden jedoch immer bleiben, schließlich leben hier überwiegend Tamilen, die mehrheitlich im Hinduismus statt im Buddhismus verwurzelt sind. Auch das Essen schmeckt hier anders. Es ist halt eine ganz andere Kultur. Viele Sri Lanken beschreiben den Norden Sri Lankas als rückständig. Hier wisse man nicht, was Touristen wollen.

Selbst Sri Lanken aus dem Süden und der Mitte des Landes fühlen sich hier fremd, obwohl sie hier oftmals sogar Verwandte haben.

Und es stimmt schon irgendwie: Es gibt vergleichsweise wenige Hotels im Norden. Sie bieten in den meisten Fällen keinen Komfort. Gemessen daran sind sie teuer – zumindest im Vergleich zum Rest des Landes. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass hier am Strand von Point Pedro noch immer in den frühen Morgenstunden die Fischer aufs Meer hinausfahren. Während in Bentota die Fischerboote nur noch dazu dienen, Touristen aufs Meer zu karren, verdient man im Norden noch immer sein Geld mit Fischen. Und da hier so gut wie niemand Englisch spricht, werden wir auch nicht gefragt, ob wir Wasser kaufen, einen Ausflug machen oder ein Auto mieten möchten. Es waren zwei sehr schöne, zwei sehr ruhige und zwei sehr interessante Tage in Point Pedro.

Jaffna — güldener Glanz und fettige Finger

Anschließend sind wir wieder nach Jaffna gereist. Jaffna ist der Dreh- und Angelpunkt im Norden Sri Lankas und war vor dem Bürgerkrieg die zweitgrößte Stadt der Insel. Heute ist Jaffna noch immer groß, sodass es meiner Meinung nach vollkommen reicht, einen Tag hier zu verbringen. Großstadt ist schließlich Großstadt. Wir hatten einen halben Tag. Das war genug Zeit, um uns vom güldenen Nallur Kandaswamy Tempel blenden zu lassen und um eine riesige Portion Dosa zu verdrücken. An diese frittierte, triefende Köstlichkeit habe ich am nächsten Tag noch gern zurückgedacht. Zeit dafür hatte ich genug, schließlich lag ein Höllenritt vor uns: Noch  vor Sonnenaufgang sind wir in den Zug gestiegen, um von Jaffna nach Bentota zu fahren. Das sind gerade einmal 450 Kilometer. Mit dem schnellen Zug bedeutet das auf Sri Lanka, 14 bis 16 Stunden Fahrt. Thanks Dosa, thanks Sonnenaufgang – we enjoyed it!

Hinduistischer Tempel in Jaffna

Dosa essen

Sonnenaufgang im Norden Sri Lankas

Baden und Gefahren im Norden

Und wer nun die romantische Vorstellung von einsamen, verlassenen Stränden hat und sich dem Paradies nahe wähnt, dem sei gesagt: Zum Baden eignen sich die Strände im Norden Sri Lankas eher weniger.

Das hat einen praktischen und einen kulturellen Hintergrund: Zum einen werden die Strände hier nicht gepflegt. Jede Menge Plastikmüll und abgeschnittene Fischköpfe zeugen davon, dass sie touristisch nicht genutzt werden. Zum anderen ist der Norden Sri Lankas noch immer sehr konservativ, wie ohnehin das ganze Land, wenn man von den Urlaubsorten absieht, sodass es als Frau unangebracht ist, halbnackt zu baden. Und nein, auch ein Badeanzug ist keine angemessene Bekleidung. Und darüber hinaus ist es im Norden auch nicht ratsam an Strände zu gehen, an denen weit und breit kein Einheimischer zu sehen ist, schließlich liegt hier noch die eine oder andere Mine unter dem Boden. Gleiches gilt auch für unbefestigte Wege im Landesinneren.

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