Vietnam: Ho Chi Minh – der Gigant

Eine Metropole zwischen Tradition und Moderne – das ist es ungefähr, was in so ziemlich jedem Reiseführer über Ho Chi Minh geschrieben wird. Wahr ist: Ho Chi Minh – oder Saigon wie es früher hieß – ist in erster Linie eine südostasiatische Großstadt, wie man sie sich eben vorstellt, ganz ohne Überraschungen. Große Straßen ziehen sich durch die Stadt, tausende Fantastillionen Mopeds sind hier unterwegs, gehupt wird traditionell die ganze Zeit – die asiatische Art zu blinken eben. Interessant werden Großstädte für mich ja immer erst abseits der großen Straßen, da macht Ho Chi Minh keine Ausnahme.

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Vietnam real life

 

 

 

 

 

 

 

Klar, in Ho Chi Minh gibt es, wie auch in allen anderen Weltmetropolen auch, zahlreiche Museen, wovon ich mir keines angesehen habe. Und das war vermutlich auch gut so. Trotzdem lohnt es sich, sich vor der Reise zur Geschichte Vietnams zu belesen, denn der Vietnam-Krieg ist hier noch immer ein großes Thema. Wer sich mit diesem Thema vor Ort auseinandersetzen möchte, kann ins sogenannte Kriegsopfermuseum/ Military Museum gehen. Schon in der Außenanlage steht allerlei Kriegsgerät rum, das angesehen werden kann, drinnen war ich – wie gesagt – nicht.

Anstatt durch das achte Museum in Ho Chi Minh zu schlürfen, oder sich den vierzigsten Tempel anzuschauen, finde ich´s sinnvoller, mal ein bisschen mit echten Menschen in Kontakt zu kommen. In einer Großstadt ist das recht schwer, fehlende Sprachkenntnisse machen es nicht unbedingt leichter. Mein Tipp: Am besten am Ende der Vietnam-Rundreise – sie endet ja aufgrund des internationalen Airports eh meist hier – einfach mal keine Übernachtung buchen. Die meisten Touristen sind immer mit dem Bus oder Zug unterwegs, daher warten an den entsprechenden Haltestellen vielfach Einheimische, um Touristen Zimmer in ihren Häusern anzubieten. Das gab mir die Gelegenheit, bei einer vietnamesischen Familie zu übernachten.

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wer in Vietnams Großstädten ein Haus aus Stein, und nicht aus Holz oder Wellblech hat, der wohnt so: Die Häuser haben meist drei, vier, fünf Stockwerke und sind schmal – ein Zimmer manchmal noch ein Bad pro Etage. Meine vietnamesische Gastgeberin war herzlich und verhalten zugleich – eine diffuse Mischung, die der deutschen Mentalität recht ähnlich ist.

Spricht man abseits der großen Straßen von einem wahrhaften Häuserdschungel, dann ist das nicht übertrieben: Die Gassen sind schmal, überall liegen Müllbeutel, eine spärliche, nächtliche Beleuchtung und Ratten, die ab den Abendstunden hier herumhuschen, sind nicht jedermanns Sache, aber das ist Vietnam. Das Schöne daran, bei Einheimischen zu übernachten, ist Alltag zu erleben. So saß ich mit der Familienmutter am nächsten Tag vorm Haus, sie bot mir gleich ihr Plastikhöckerchen an, und beobachtete sie, wie sie einen Fisch ausnahm und entschuppte. Im Wellblechhaus nebenan, in dem drei Generationen zusammenlebten, spielte sich indes ein ganz klassisches Familienleben auf engsten Raum ab. Erstaunt hat es mich, wie viel Qualitätszeit Vietnamesen mit ihren Kindern verbringen: Obwohl auch hier die ganze Zeit der Fernseher läuft, wird mit den Kindern viel gespielt – Eltern, Geschwister, Großeltern hocken dann alle zusammen auf dem Boden und spielen Gesellschaftsspiele. Wer nicht gerade mit dem Broterwerb, der Zubereitung von Essen oder mit der Familie beschäftigt ist, der hängt mit seinen Bekannten ab, raucht und erzählt. Ohnehin reden die Vietnamesen viel – zumindest die, die in Südvietnam leben, die Nordvietnamesen haben ein ganz anderes Gemüt.

Was man sich in Ho Chi Minh als Backpacker nicht entgehen lassen sollte: eine Fußmassage und das Streetfood.

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